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Großstädte in Deutschland - Ulm

Ulm ist eine kreisfreie Stadt in Baden-Württemberg an der Donau. Sie ist eine der kleinsten Großstädte des Landes. Zur Einwohnerzahl muss jedoch auch immer die Nachbarstadt Neu-Ulm gerechnet werden, womit sich hier effektiv eine Größe von 165.000 Einwohnern ergibt. Die Stadt ist Sitz des Alb-Donau-Kreises und gehört zur Region Donau-Iller innerhalb des Regierungsbezirks Tübingen (zur Region Donau-Iller gehören auch bayrische Gebiete).

Nächste größere Städte sind Augsburg und München im Südosten, ca. 70 km bzw. ca. 130 km und Stuttgart im Nordwesten, ca. 100 km entfernt. Ulm ist nach dem Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg eines von insgesamt 14 Oberzentren des Landes und bildet mit Neu-Ulm ein länderübergreifendes Doppelzentrum.

Geografie

Die Stadt Ulm liegt an der Einmündung der Iller und der Blau in die Donau, am Rande der Lonetal-Flächenalb, deren Erhebungen (Safranberg, Michelsberg, Eselsberg, Kuhberg) die Stadt nördlich umgeben und am "Hochsträß" der mittleren Flächenalb. Die Stadt liegt größtenteils links der Donau, die hier für einige Kilometer die Landesgrenze zum Freistaat Bayern bildet. Lediglich die Stadtteile Wiblingen, Gögglingen, Donaustetten und Unterweiler liegen rechts der Donau.

Geschichte

Die älteste Besiedlung Ulms ist für die vorgeschichtliche Zeit um 5000 v. Chr. bei Eggingen, einem heutigen Stadtteil von Ulm, nachgewiesen.

Im frühen Mittelalter, wohl um 850, wird Ulm zur Königspfalz. Die erste urkundliche Erwähnung ist am 22. Juli 854 datiert. König Ludwig der Deutsche besiegelt eine Urkunde in "Hulma". Unter den Staufern wird die Siedlung weiter ausgebaut, bis sie 1181 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zur Stadt erhoben wird und alsbald ihm direkt unterstellt ist: Ulm wird 1184 freie Reichsstadt.

Am 30. Juni 1377 beginnt der Bau des Münsters, nachdem die alte Kirche vor den Stadtmauern lag und die Einwohner während einer Belagerung nicht zur Kirche gehen konnten.

Der große Schwörbrief von 1397, die Ulmer Verfassung, tritt in Kraft. Er regelt die Machtverteilung und die Aufgaben des Bürgermeisters. Die Zünfte haben nun 30, die Patrizier nur noch 10 Ratssitze. Gleichzeitig wird den Patriziern das aktive Wahlrecht verweigert. Der Bürgermeister muss den Einwohnern Rechenschaft ablegen. Der Schwörmontag (vorletzter Montag im Juli) ist seither der Ulmer Feiertag.

Um 1500 ist Ulm auf der Blüte seiner Macht. Sie ist die zweitgrößte Reichsstadt nach Nürnberg: drei Städte (Geislingen, Albeck und Leipheim) sowie 55 Dörfer gehören zum Gebiet. Die Stadt ist wichtiger Umschlagplatz für Eisen, Holz und Wein. Aus dieser Zeit stammt der Reim, der die Stellung der Stadt in der damaligen Welt untermauert:

Venediger Macht,
Augsburger Pracht,
Nürnberger Witz,
Straßburger Geschütz,
und Ulmer Geld
regier'n die Welt.

Mit dem Ulmer Geld im Vers ist jedoch weniger das Münzgeld, sondern wohl eher das gemeint, was den Reichtum Ulms ausmacht - das Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, welches von solcher Qualität ist, dass es, weil in ganz Europa begehrt, so gut wie Geld ist.

Die Entdeckung Amerikas (1492) sowie des Seeweges nach Indien (1497), lassen neue Handelszentren entstehen, welche den Fall der Stadt ebnen. 1529 tritt die Stadt dem protestantischen Glauben bei. Bis 1546, zur Zeit des Schmalkaldischen Krieges, verliert Ulm 35 seiner Dörfer durch Plünderung oder Brandschatzung und muss sich zuletzt doch dem katholischen Kaiser unterwerfen.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wird der Reichtum der Stadt durch weitere Kriege, Seuchen, Reparationszahlungen und Erpressungen verschiedener Besatzer derart verringert, dass die Stadt um 1770 bankrott ist und weiteren Grund veräußern muss. 1786 umfasst das Ulmische Gebiet noch folgende Verwaltungen: Obervogteiamt Geislingen, Oberämter Langenau, Albeck und Leipheim sowie die Ämter Süßen, Stötten, Böhringen, Nellingen, Weidenstetten, Lonsee, Stubbersheim, Bermaringen und Pfuhl.

Die Neuordnung Europas durch Napoleon wirkt sich in Ulm aus: 1802 verliert die Stadt ihre Unabhängigkeit und kommt unter bayrische Verwaltung. Schon acht Jahre später, 1810, wird Ulm württembergisch, verliert dadurch jedoch noch mehr Land. Der Grund und Boden jenseits der Donau bleibt bayrisch - die Geburt von Neu-Ulm. Ulm wird Sitz eines württembergischen Oberamts. Ein Jahr später erhält Ulm die Bezeichnung "Unsere gute Stadt" und damit das Recht auf einen eigenen Landtagsabgeordneten.

1819 wird Ulm Sitz des württembergischen "Donaukreises" (etwa einem Regierungsbezirk vergleichbar, bis 1924). Mit der Eröffnung der "Schwäbischen Eisenbahn" von Stuttgart über Ulm bis nach Friedrichshafen am 1. Juni 1850 erwacht das Provinznest mit 12.000 Einwohnern wieder zu neuem Leben. Mit dem Neu- und Wiederbeginn von zwei Großbaustellen, der Bundesfestung mit 41 Festungswerken um Ulm herum sowie der Vollendung des Münsters, welches dann kurz vor Ende des Jahrhunderts den höchsten Kirchturm der Welt erhält, zieht wieder der Wohlstand ein.

1913 zählt die Stadt bereits 60.000 Einwohner, davon rund 10.000 Soldaten. Ulm ist eine Garnisons- aber auch eine Industriestadt: Magirus, Wieland und Kässbohrer tragen den Namen der Stadt in die Welt.

Zwischen den Weltkriegen ist es ruhig um Ulm. Doch der Nationalsozialismus macht auch vor Ulm nicht halt. 1933 bis 1935 wird am Oberen Kuhberg, in einem der Festungswerke der Bundesfestung, ein KZ, vorwiegend für politische Gefangene wie Kurt Schumacher, eingerichtet. Auch die Ulmer Synagoge wird ein Opfer der Kristallnacht (9./10. November 1938), weniger durch die Brandstiftung, die kaum einen Schaden verursacht, als durch den willkürlichen Abriss danach.

Ein Teil seiner alten Freiheit kann Ulm im selben Jahr "zurückerobern" und wird kreisfreie Stadt. Gleichzeitig wird sie Sitz des aus dem alten Oberamt hervorgegangenen Landkreises Ulm. Ende 1944 bis Anfang 1945 wird Ulm bei diversen Bombardierungen schwer getroffen: 81% der Altstadt sind zerstört, das Münster jedoch bleibt verschont.

Und nach dem Krieg das selbe Bild wie überall: Wiederaufbau

1951 wird das erste Industriegebiet besiedelt. 1953 beginnt die Geschichte der, inzwischen weltberühmten, Hochschule für Gestaltung (bis 1968). Eine Ingenieuerschule beginnt 1960 ihren Lehrbetrieb, die 1972 in der Fachhochshule für Wirtschaft und Technik aufgeht. Wenige Jahre zuvor, 1967, wird die Universität mit Klinikum gegründet.

Am 1. Januar 1973 tritt die Kreisreform in Baden-Württemberg in Kraft. Ulm wird Sitz des neu gebildeten Alb-Donau-Kreises, bleibt selbst aber kreisfrei. 1980 überschreitet Ulm die 100.000 Einwohner-Marke und wird somit Großstadt. Die Überwindung der Wirtschaftskrise Anfang der 1980er Jahre lässt aus der Industriestadt zudem eine Dienstleistungs- und Wissenschaftsstadt werden, die, 1987 bei einer Einwohnerzahl von 104.000, stolze 84.000 Arbeitsplätze bieten kann.

Vom 16. bis 20. Juni 2004 findet in Ulm der Deutsche Katholikentag statt.

Religionen

1529 trat Ulm auf dem Reichstag in Speyer den protestantischen Reichsständen bei. 1531 wurde die Reformation zwinglischer Richtung eingeführt, doch näherte man sich bereits 1533 Martin Luther an. 1553 erhielt die Stadt eine lutherische Kirchenordnung. Somit war Ulm über Jahrhunderte eine protestantische Stadt, doch gab es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wieder eine starke katholische Gemeinde (1805 erste katholische Stadtpfarrei). Nach dem Übergang an Württemberg 1810 wurde Ulm Sitz eines Generalats (heute Prälatur) innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die römisch-katholischen Christen in der Stadt gehörten Anfangs zum Bistum Konstanz, später zum Bistum Augsburg und 1817 zum Generalvikariat Rottenburg, aus dem später das Bistum Rottenburg (heute Rottenburg-Stuttgart) hervorging.

Mit der Eingemeindung umliegender katholischer Orte veränderte sich das Gewicht zwischen evangelischen und katholischen Christen. Heute beträgt der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung ca. 45 %, zum protestantischen Glauben bekennen sich noch ca. 33 % (Stand: 1992). Der Rest gehört anderen Religionen an, oder ist konfessionslos.

Die evangelischen Gemeindeglieder gehören - sofern sie nicht Mitglied einer Evangelischen Freikirche sind - zum Dekanat Ulm innerhalb der Prälatur ("Sprengel") Ulm der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die römisch-katholischen Gemeindeglieder gehören zum Dekanat Ulm der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

  • Ulmer Theater (Oper, Operette, Schauspiel, Ballett), erbaut 1969 (Vorgängereinrichtungen bestanden bereits seit 1641)
  • Theater in der Westentasche

Museen

  • Ulmer Museum (Stadtgeschichte etc.)
  • Deutsches Brotmuseum (Museum der Brotkultur)
  • Donauschwäbisches Zentralmuseum (dzm)
  • Naturkundliche Sammlungen der Stadt Ulm
  • Kunstverein Ulm e.V.

Bauwerke

Ulm ist Startpunkt der Oberschwäbischen Barockstraße.

  • Ulmer Münster (Wahrzeichen der Stadt; höchster Kirchturm der Welt mit 161,53 m Höhe und 768 Stufen)
  • Rathaus
  • Schwörhaus
  • Fischerviertel (Altstadt an der Blau)
  • Schiefes Haus
  • Wilhelmsburg (ein Teil der Bundesfestung)
  • Stadthaus (1993)
  • Klosterkirche Wiblingen
  • Zeughaus
  • Metzgerturm (schiefer als der Schiefe Turm von Pisa)
  • Gänsturm
  • Zundeltor
  • Kornhaus
  • Nikolauskapelle
  • Kirche St. Georg
  • Pauluskirche
  • Dreifaltigkeitskirche
  • Stadtmauer
  • Adlerbastei

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Weihnachtsmarkt: Der Ulmer Weihnachtsmarkt ist einer der größten und populärsten Weihnachtsmärkte Süddeutschlands und findet jährlich statt. Er beginnt in der Regel am ersten Adventswochenende und geht bis zwei Tage vor Heiligabend. Dazu wird der Marktplatz vor dem Hauptportal des Münsters in ein Hüttendorf (mit eigenen Straßennamen) verwandelt. Besonders Verkaufshütten dominieren den Markt. Das Angebot reicht von Alltäglichem über Weihnachtszubehör (Krippen, Kerzen, Räucherutensilien) bis hin zu Handgemachtem. Kullinarische Hütten runden den Markt ab.

Schwörwochenende: Das Schwörwochenende beinhaltet die Festlichkeiten, die am Wochenende vor dem Schwörmontag stattfinden. Das Wochenende beginnt mit der Lichterserenade. Alle vier Jahre findet das Fischerstechen statt. Am Morgen des Schwörmontag muss der Bürgermeister Rechenschaft vor den Einwohnern ablegen. Der Tag erinnert an die einstige Verfassung der Reichsstadt, den großen Schwörbrief von 1397, und wird am vorletzten Montag im Juli begangen. Dieser Montag wird wie ein halber Feiertag in Ulm und Neu-Ulm gehandhabt, d.h. die meisten Geschäfte und öffentlichen Institutionen haben ab 14 Uhr geschlossen. Abschluss des Wochenendes ist das Nabada.

Internationales Donau Festival: Das Internationale Donau Festival wurde erstmals 2000 gefeiert und findet alle zwei Jahre statt. Es ist ein Festival der Donauländer. Dabei finden über die Woche des Festivals kulturelle, musikalische und kulinarische Veranstaltungen statt.

Söhne und Töchter der Stadt

Die folgende Übersicht enthält bedeutende in Ulm geborene Persönlichkeiten chronologisch aufgelistet nach dem Geburtsjahr. Ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Ulm hatten oder nicht ist dabei unerheblich. Viele sind nach ihrer Geburt oder später von Ulm weggezogen und sind andernorts bekannt geworden. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • um 1425, Jörg Syrlin d.Ä. † 1491, Bildschnitzer
  • 1770, 24. Juni, Albrecht Ludwig Berblinger, † 28. Januar 1829 in Ulm, Erfinder und Flugpionier, bekannt als Der Schneider von Ulm
  • 1824, Konrad Dietrich Magirus, † 1895, Mitbegründer des modernen Feuerlöschwesens
  • 1879, 14. März, Albert Einstein, † 18. April 1955 in Princeton/New York (USA), Physiker
  • 1893, 17. Dezember, Erwin Piscator, † 30. März 1966 in Berlin, Theaterregisseur und Intendant
  • 1904, 26. Januar, Otto Kässbohrer, † 20. Juni 1989 in Ulm, Unternehmer (Fahrzeugbau)
  • 1922, 13. Mai, Otl Aicher, † 1. September 1991 durch einen Autounfall, Grafiker und Designer, Mitbegründer der Ulmer Volkshochschule und der HfG
  • 1925, 28. Dezember, Hildegard Knef † 1. Februar 2002 in Berlin, Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin
  • 1926, 9. Dezember, Dr. Erhard Eppler, SPD-Politiker, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit
  • 1951, 14. Dezember, Mike Krüger, Sänger, Schauspieler und Fernsehmoderator
  • 1952, 5. Januar, Uli Hoeneß, Fußballer und Manager
  • 1953, 7. Januar, Dieter Hoeneß, Fußballer und Manager
  • 1955, 15. Mai, Claudia Roth, Grünen-Politikerin
  • 1958, 6. September, Amelie Fried, Moderatorin, Journalistin, Schriftstellerin
  • 1959, 15. September, Andreas Eschbach, Schriftsteller

Sonstige bedeutende Persönlichkeiten

  • Hans Multscher, bedeutendster deutscher Bildhauer des 15. Jahrhunderts
  • Johannes Kepler, Druck der Rudolphinischen Tafeln in Ulm, Erfindung des Ulmer Messkessels zur Normierung der in Ulm gebräuclichen Maße und Gewichte 1627
  • Geschwister Hans und Sophie Scholl, Widerstandsgruppe "Weiße Rose", beide sind in Ulm aufgewachsen
  • Der Ulmer Spatz, Die Geschichte vom Ulmer Spatz
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